10.11.2018

Wenn man auf ein Denkmal stösst, wo vorher noch keines stand, dann gibt das mal zu denken.

Genau so ging es mir bei einem Spaziergang durch einen nahe gelegenen Park. Wer wurde da plötzlich mit einer großen Bronzestatue geehrt? Warum wurde das in keiner Zeitung vorangekündigt. Zugegeben, der Platz, wo man dieses Mahnmal errichtete, hätte nicht besser sein können. Er bot sich geradezu an.

Statue neu

Ein Denkmal, das zu denken gab

Bisher war da nur eine Balustrade, wie an einem Aussichtspunkt üblich. Wer war hier schon alles gestanden, um diese Aussicht zu bewundern? Ich weiss nur – und das ist kein Witz –, dass sich hier der Schauspieler Richard Burton vor etlichen Jahrzehnten von den Dreharbeiten entspannt hatte. Er spielte damals den Richard Wagner.

Platz für eine Statue 

Ein Platz, wie geschaffen zur Errichtung eines Denkmals. Nur: wem wäre das hier würdig? @ Foto: Emanuel Ammon

Nun, die Statue sieht nicht so aus, als gelte sie Richard Burton. Der Stil lässt vermuten, dass dies schon ein älteres Kunstwerk ist. Muss wohl von irgendwoher an diesen Platz geschafft worden sein, das schwere Bronzestück. Auch davon, von diesem Schwertransport, habe ich nichts mitbekommen. Da wird doch sicher eine Inschrift zu finden sein...

Platz für eine Statue 

Ein Dichterfürst?
Ein Staatsmann? Ein neuer Prophet? – Ohne Inschrift ist es nicht zu erahnen

Beim Näherkommen kommen die Gedanken, die bei jedem Denkmal kommen müssten: Wie gross muss die Leistung gewesen sein? Wer beurteilte diese Leistung, dass sie ein Monument Wert wäre? Wer finanzierte schließlich das Werk – und welches Interesse hatte er oder hatten sie daran? Nebenbei: in der Nähe zu diesem Standort befindet sich an einem Gebäude eine Gedenktafel, welche Jonas Mašiulis (Maironis) würdigt. Kennen Sie nicht? Wären Sie von Litauen, wüssten Sie vielleicht, dass er die litauische Nationalhymne gedichtet hat.

Fake- oder Protest-Statue? 

Und dann die Überraschung der anderen Art. Ein Denkmal für das Denkmal – damit auch das Denken darüber geehrt wird.


Die Auflösung an der Vorderseite offenbart gleich drei nie gedachte Möglichkeiten: Erstens handelt es sich nicht um eine Bronze, auch wenn es von weitem so aussieht. Zweitens wird an keine Berühmtheit erinnert. Und drittens gibt dieses temporäre Kunstwerk von Christian Kathriner erst recht allerhand zu denken.

Es gäbe wohl viele, die ein Denkmal verdient hätten. Gerade solche Menschen, die viel gedient haben in ihrem Leben. Und es gäbe andere, die man längst vom hohen Sockel holen sollte…