26.07.2018

Die Grillsaison ist in vollem Gang. Ich bin ebenfalls zugange mit meinem Thema Holzkohle. Sobald die Landwirte, die gleichzeitig auch als Köhler tätig sind, ihre Heuernte eingebracht haben, beginnen sie mit dem Aufschichten einer oder mehrerer Kohlemeiler. Andere Köhler reisen in der ganzen Schweiz, in Deutschland, Frankreich oder Oesterreich umher, um Meiler aufzustellen.



Doris Wicki ist seit vielen Jahren unermüdlich unterwegs, um Meiler aufzustellen und die Köhlerei wieder ins Bewusstsein zu bringen. Wie hier bei einem Schulklassenprojekt in Neerach.

Doris Wicki aus Romoos ist eine solche Meiler-Expertin. Sie hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die handwerkliche Enstehung von Holzkohle lebendig zu erhalten. In der Schweiz gibt es etliche Köhlervereine, die Jahr um Jahr auf ihre Erfahrung zurückgreifen.

Einige Institutionen verbinden das Aufstellen eines Meilers und das Absacken der fertigen Holzkohle mit Projekten für behinderte oder sozial in Krisen steckende Menschen. So in der Kartause Ittigen bei Frauenfeld. Auch dort ist Doris Wicki immer wieder anzutreffen, um den Holzkohleprozess in Gang zu bringen und zu überwachen.




Die Kartause Ittigen bietet die fertige Holzkohle auch zum Verkauf an. Doch die ist begehrt. Man muss sich rechtzeitig melden. Der Schmetterling am Sack ist übrigens echt. Er ist nicht im Kaufpreis inbegriffen.

Holzkohle ist heute ein Industrieprodukt und wird zumeist in großen, geschlossenen Anlagen oder in Öfen hergestellt. Vorwiegend für die Pharma-Industrie, für Reinigungs- und Adsorptionsanwendungen wie auch für die Nahrungsmittel-Industrie. Über 12 000 Tonnen der in der Schweiz verbrauchten Holzkohle wird importiert. Polen, Bosnien-Herzegowina und die Ukraine sind Hauptlieferanten. Da sind auch einige Tonnen Grillholzkohle dabei.




Ein Meiler wie aus einem Lehrbuch. Oder wie aus einem Land-Art-Katalog. Der Innerschweizer Künstler Robert Müller liess sich davon für verschiedene Kunstprojekte inspirieren. Nicht zuletzt auch zu seinem Film «Köhlernächte».


Ein frisch für das Anzünden aufgestellter Meiler hat allein von der Form her eine nahezu magische, künstlerische Kraft. Besonders, wenn er von Doris Wicki oder ihren Brüdern um Romoos aufgestellt wurde. Beim Recherchieren stiess ich im Zusammenhang mit Kunst auf eine grossartige Gesamtausstellung im Ruhrgebiet. In den dort ausgestellten Arbeiten geht es um Kohle generell, doch immer wieder auch um Holzkohle. https://www.ruhrkunstmuseen.com/kunst-kohle.html




10 000 Tonnen Holzkohle sollen jährlich in der Schweiz auf dem Grill – bzw. unter dem Grillrost verglühen. Knapp 100 Tonnen davon kommen aus dem Napfgebiet um Romoos.


In Romoos und im Napfgebiet im Luzerner Entlebuch wird regelmässig geköhlert. Es wird als das europaweit einzige Gebiet bezeichnet, in dem unununterbrochen – vielleicht seit den Römern und Kelten – bis heute geköhlert wird. Es lohnt sich, dort einmal der Nase nach zu wandern. Wo Rauch in der Luft hängt, dürfte auch ein Meiler nicht weit sein. – Auch sonst ist die Landschaft mit den schroffen Tälern und lieblichen Matten sehenswert.

Ach ja: über all das wird in einem Buch zu sehen und zu lesen sein. Sponsorenbeiträge zu suchen ist im Moment – neben dem Schreiben – eine meiner Hauptaufgaben.... Ich freue mich auf Rückmeldungen...