23.05.2018

Schon eine Weile habe ich nicht mehr gleichzeitig drei so unterschiedliche Ghostwriting-Aufträge auf dem Tisch gehabt. Die erste Rede betrifft die Würdigung eines CEOs, der 15 Jahre in einem internationalen Unternehmen tätig ist. In der zweiten Rede geht es um die Verabschiedung mehrerer Abschlussklassen in einer Mittelschule. Und die dritte ist – wieder einmal – eine 1.-August-Rede (siehe auch: «Dreifacher Zufall»).

Jedesmal, wenn ich an ein Redenmanuskript herangehe, kommt mir Harry Holzheu in den Sinn. Ein alter Freund und virtuoser «Mutmacher» für alle, die etwas zu sagen haben oder hätten. Sein Spruch hat sich bei mir eingeprägt: «Wenn du eine Rede hältst, sprich wie zu einem guten Freund, nur entsprechend lauter.»
Der Umkehrschluss: alle die lauter schreien, sind gute Redner – der geht gar nicht. Das ist mir kürzlich bei einer Wanderung auf Elba wieder bewusst geworden. Ich entdeckte auf einer selten begangenen kleinen Terrasse eine Möwe.


 

Lautes Rufen lockt Zuhörer bzw. Zuschauer an. Doch die arme Möwe wollte etwas ganz anderes.

Anstatt wegzufliegen begann sie beim Näherkommen laut zu rufen. Es brauchte eine Weile, bis ich merkte, dass sie am Brüten war und keineswegs Zuhörer oder Zuschauer anlocken wollte, sie beabsichtigte das Gegenteil. Doch mit jedem Schrei kamen mehr Neugierige. Überzeugend war sie auf jeden Fall in ihrer Standfestigkeit.

Um jetzt wieder über Reden zu reden: Sich bewusst machen, was man eigentlich erreichen will, ist Punkt 1 jeder Checkliste. Sich abzusichern, dass das, was man sagen will, auch ankommt, ist der zweite Checklistenpunkt. (Optimal: Das Redenscript jemandem Unvoreingenommenem zu lesen geben – noch besser vorlesen). Der dritte Punkt: Wer ist für den Redner, die Rednerin die wichtigste Zielgruppe – und welches Wissen/Nichtwissen setzt man bei  jenen voraus.

Das sind die allerersten Merkpunkte. Dass es neben Merkpunkten auch eine ganze Reihe von Sprüchen gibt, die auf dem Internet zum Thema Reden zirkulieren, ist bekannt. Zum Beispiel: «Du darfst bei einer Rede alles – nur nicht langweilen». Oder der alte Cicero: «Reden lernt man durch reden». Und 800 Jahre später Kurt Tucholsky: «Du musst aktueller schwätzen, und man wird dich höher schätzen!»

Ich freue mich immer darauf, aktuelle Themen mit interessanten Menschen in lebhafte Reden einzubringen.